Studienseminar Frankfurt stärkt Ausbildung mit Fokus auf Vielfalt und Chancengleichheit
Der diesjährige Rahmentitel des Pädagogischen Tages am Studienseminar Frankfurt für Gymnasien lautete „Demokratie lernen – Vorgehen gegen Rassismus und Diskriminierung in Schule und Ausbildung“ und rückte damit ein Thema von immenser gesellschaftlicher Tragweite in den Mittelpunkt, das im Kontext von Schule und Ausbildung ein zentrales Aufgabenfeld darstellt.
Am 25. Februar 2026 kamen alle Ausbildungskräfte und Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst des 2. Hauptsemesters zusammen, um gemeinsam pädagogische Handlungsmöglichkeiten für Schule und Ausbildung zu erarbeiten.
In ihrer Begrüßungsansprache verwies die Seminarleiterin Heike Battefeld auf eine besorgniserregende Statistik: Etwa 30 Prozent der 12- bis 25-Jährigen haben nach dem Soziologen Klaus Hurrelmann eine gefestigt rechtsextreme Weltsicht oder sympathisieren damit. Keril Denisov, der geladene Gastredner von der Bildungsstätte Anne Frank, betonte: „Kein Mensch ist frei von menschenfeindlichen Gedankenkonstrukten und Vorurteilen“. Er verwies nachdrücklich auf die kritische Selbstreflexion vor dem pädagogischen Handeln.
Im Anschluss wurden unterschiedliche Dimensionen von Rassismus und Diskriminierung sowie konkrete Handlungsstrategien für Schule und Ausbildung vertiefend beleuchtet und entwickelt. Dafür standen dem Studienseminar Frankfurt für Gymnasien elf hochkarätige Referentinnen und Referenten aus Bildung und Wissenschaft zur Seite.
Die Teilnehmenden differenzierten sich im Anschluss in ein thematisch breit gefächertes Workshopangebot, das unterschiedliche inhaltliche Perspektiven eröffnete, um demokratische Werte nicht nur zu vermitteln, sondern im schulischen Alltag aktiv zu leben und zu schützen. Auf besonderes Interesse stießen die Workshops ehemaliger Absolventinnen und Absolventen, in welchen diese ihre Schulentwicklungsprojekte präsentierten. Dies geschah beispielsweise im Workshop von Dr. Philip Wallmeier, welcher ein fundiertes Referat zum Themenbereich der schulischen Mitbestimmung hielt, in dessen Mittelpunkt das Programm „aula“ stand. Bei „aula“ handelt es sich um ein umfassendes Schulentwicklungsprojekt, das darauf ausgerichtet ist, die Partizipationsmöglichkeiten von Lernenden systematisch auszubauen und ihre demokratischen Handlungskompetenzen nachhaltig zu stärken. Im Workshop von Dr. Türkân Kanbıçak wurden die Teilnehmenden mit konkreten Fallbeispielen aus schulischen Kontexten konfrontiert. Dadurch erhielten sie einerseits einen vertieften Einblick in die Wirkung antimuslimischer Äußerungen auf die Betroffenen und entwickelten andererseits ein differenziertes Verständnis dafür, wie solchen Diskriminierungserfahrungen wirkungsvoll und reflektiert begegnet werden kann. Wo finden sich Spuren kolonialer Herrschaft in Frankfurt? Dieser Frage ging Dr. Monika Bossung-Winkler nach. In ihrem Workshop wurden Elemente für einen dekolonialen Stadtrundgang vorgestellt und eine erste Skizze für eine Durchführung mit Schülerinnen und Schülern vor Ort erstellt.
Die Ergebnisse und weiterführenden Fragen werden in der Entwicklungsgruppe aufgegriffen, um die Erkenntnisse dieses Tages in der Ausbildungsarbeit wirksam werden zu lassen.
Text: Marie Heller-Kilian
