Hessischer Bildungsserver / LAKK Studienseminar für Gymnasien in Frankfurt

KZ-Gedenkstättenfahrt nach Dachau 2026

Von Sarah Funk und Johanna Emmerling

Vom 22. bis 24. Juni 2026 nahmen 16 Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst der Fächer Geschichte sowie Politik und Wirtschaft an einer Multiplikatorinnen- und Multiplikatorenfortbildung des Studienseminars für Gymnasien Frankfurt am Main teil. Die Fortbildung wurde in Kooperation mit dem Max Mannheimer Studienzentrum und dem Fritz Bauer Institut durchgeführt und fand in Dachau statt. Hierbei wurden wir von den Ausbilderinnen Iris Harnischmacher, Maren Metz und Miriam Harwart sowie von Martin Liepach als Vertreter des Fritz Bauer Instituts begleitet. 

Ziel der Fortbildung war es, uns als Lehrkräfte für die pädagogische Arbeit an einem historischen Erinnerungsort zu sensibilisieren und uns die Bedeutung einer Gedenkstättenfahrt aus der Perspektive der Teilnehmenden erfahrbar zu machen. Im Mittelpunkt stand dabei die Frage, wie Schülerinnen und Schüler im Rahmen eines Gedenkstättenbesuchs verantwortungsvoll begleitet werden können. Durch die eigene Auseinandersetzung mit dem Ort, seinen historischen Dimensionen und den damit verbundenen Emotionen erhielten wir wertvolle Impulse für die Planung, Durchführung und Nachbereitung eigener Gedenkstättenfahrten. Ergänzt wurde dies durch die Auseinandersetzung mit aktuellen Herausforderungen der historisch-politischen Bildungsarbeit, insbesondere dem Umgang mit israelbezogenem Antisemitismus im schulischen Kontext.

Nach der gemeinsamen Anreise begann das Programm im Max Mannheimer Studienzentrum mit einer Einführung in die kommenden Seminartage. Im Mittelpunkt standen zunächst das gegenseitige Kennenlernen der Teilnehmenden und unserer Referentin Magdalena Geier, pädagogische Mitarbeiterin des Max Mannheimer Studienzentrums, sowie der Austausch über persönliche Erwartungen, Erfahrungen und Fragen im Zusammenhang mit dem Besuch einer KZ-Gedenkstätte. Es wurde mithilfe von Bildern ein erster Zugang zur Geschichte des Konzentrationslagers Dachau geschaffen und zugleich die Bedeutung der Erinnerungsorte für das historische Lernen thematisiert.

Am Nachmittag arbeiteten wir in zwei Workshops. Im Workshop „Lebenswege“, geleitet von Magdalena Geier, stand das biografische Lernen im Mittelpunkt. Anhand einzelner Lebensgeschichten wurden uns Möglichkeiten aufgezeigt, wie Schülerinnen und Schüler einen persönlichen Zugang zur Geschichte in der Gedenkstätte entwickeln können. Die Materialien des Studienzentrums waren sehr spannend, da unterschiedliche Medienformate, wie eine Visual Novel, Comics, Bücher, aber auch Akten mit Originalquellen, genutzt wurden, um die Lebenswege einzelner Opfer des Nationalsozialismus, wie beispielsweise den Lebensweg des Namensgeber des Max Mannheimer Hauses, nachvollziehen zu können. Der zweite Workshop beschäftigte sich mit dem Umgang mit israelbezogenem Antisemitismus im schulischen Kontext. Dabei bekamen wir die Möglichkeit, uns über unsere eigenen Erfahrungen und Hemmungen mit diesem hochaktuellen, emotionalen Thema auszutauschen, bevor Handlungsoptionen für den Unterricht besprochen wurden. Der erste Fortbildungstag endete mit einem gemeinsamen Plenum, in dem die Ergebnisse der Workshops vorgestellt und erste Eindrücke ausgetauscht wurden.

Der zweite Tag war dem Besuch der KZ-Gedenkstätte Dachau gewidmet. Nach einem geführten Rundgang über das Gelände erhielten die Teilnehmenden Zeit, die Gedenkstätte individuell zu erkunden und sich mit den Eindrücken auseinanderzusetzen. Die anschließende gemeinsame Reflexion bot Raum, persönliche Erfahrungen zu teilen und die Bedeutung des Gedenkstättenbesuchs für die eigene zukünftige Unterrichtspraxis zu diskutieren. In einer zweiten Workshopphase wurden die Themen des Vortages getauscht, bevor die Ergebnisse im Plenum zusammengeführt wurden.

Am Abschlusstag stand zunächst die praktische Umsetzung von Gedenkstättenfahrten im schulischen Kontext im Vordergrund. Gemeinsam wurden Möglichkeiten der Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung solcher Fahrten erarbeitet. Darüber hinaus konnten die Teilnehmenden gemeinsamen mit zwei Schulklassen ein Zeitzeuginnengespräch mit Eva Umlauf, eine der jüngsten Überlebenden des KZ Ausschwitz, miterleben. Zum Abschluss der Fortbildung wurden die vergangenen Tage gemeinsam ausgewertet. Die Teilnehmenden reflektierten ihre Eindrücke, formulierten Anregungen für zukünftige Fortbildungen und nutzten anschließend die Gelegenheit zu einem individuellen Besuch der Gedenkstätte, bevor am Abend die Rückreise nach Frankfurt erfolgte.

Auch außerhalb des offiziellen Programms setzte sich der Austausch fort. An beiden Abenden ließen die Teilnehmenden den Tag gemeinsam ausklingen. Dabei entstanden gewinnbringende Gespräche sowohl unter den Lehrkräften im Vorbereitungsdienst als auch zwischen den Teilnehmenden und den Ausbilderinnen. Die informelle Atmosphäre bot Gelegenheit, Eindrücke zu vertiefen und einander besser kennenzulernen.

Die drei Seminartage haben gezeigt, wie wichtig eine sorgfältige Vorbereitung und pädagogische Begleitung von Gedenkstättenbesuchen ist. Die Verbindung aus historischer Wissensvermittlung, biografischen Zugängen und aktuellen gesellschaftlichen Fragestellungen eröffnete vielfältige Perspektiven für die eigene Unterrichtspraxis. Die Fortbildung vermittelte den Teilnehmenden wertvolle Impulse, um Schülerinnen und Schülern Geschichte nicht nur zu vermitteln, sondern sie zur kritischen Auseinandersetzung mit Vergangenheit und Gegenwart anzuregen, ohne sie dabei emotional zu überwältigen. Wir würden allen Lehrkräften und Lehrkräften in Vorbereitung empfehlen, diese Möglichkeit wahrzunehmen, und bedanken uns bei dem Studienseminar, unseren Ausbilderinnen, dem Max Mannheimer Studienzentrum, besonders bei Magdalena Geier für die hervorragende Begleitung.

| 28.9.2026